Nov 032015
 

Hier liste ich „ein paar“ Gründe auf, warum ich den Umzug des Rechenzentrums meines Webhosting-Anbieters domainFACTORY nicht gut finde und mich nach mehr als 12 Jahren nach einem neuen Vertragspartner umsehe. Natürlich ist das alles nur oberflächlich recherchiert und soll ausdrücklich keine Rechtsberatung sein. Ich bin kein Rechtsanwalt, schon gar kein französischer. Das macht die Sache für mich aber auch umso schwerer zu durchschauen. Die Folgen des Umzugs für meine Kunden und mich selbst kann ich absolut nicht abschätzen. Allerdings gibt das Netz hier durchaus Grund zur Sorge:

Datenschutz / Spionage

Rechtliche Fragen

Steuerliche Fragen

Technische Fragen

Vertrauen

  • Sonst nichts: Noch vor zwei Jahren, nach dem Verkauf von domainFACTORY an die Host Europe Group (HEG), wurde stets betont, dass sich nichts ändern werde. Nur der Eigentümer. Sonst nichts.
    https://www.df.eu/forum/threads/70939-Verkauf-von-domainfactory?p=458316&viewfull=1#post458316
    Und heute erfahren treue langjährige Kunden ohne Vorwarnung von einem fest geplanten und nicht zur Diskussion stehenden Umzug ins (nicht akzeptable) Ausland. Heute wird beteuert, es werde sich nur der Standort ändern, sonst nichts. Genau, wie sich vor zwei Jahren nur der Eigentümer geändert hat. Sonst nichts.
    Wie soll man auf dieser Basis noch Vertrauen haben und langfristige Pläne machen?
Nov 032015
 

Aus heiterem Himmel erreichte mich vor ein paar Tagen eine E-Mail von domainFACTORY – meinem Hostingprovider, über den ich seit mehr als 12 Jahren(!) mein Webhosting-Geschäft abwickle. Die Nachricht: im zweiten Quartal 2016 zieht domainFACTORY mit seinen Servern vom bisherigen Rechenzentrum in München in ein neues Rechenzentrum in Straßburg. Prinzipiell ist so ein Rechenzentrumsumzug keine ungewöhnliche Sache, und es ist auch nicht der erste Umzug von domainFACTORY.

Normalerweise wird man über so einen Umzug vorher informiert, dann ist einmal nachts für ein oder zwei Stunden der Webserver außer Betrieb und dann geht es (beinahe) nahtlos weiter, ohne dass man als Kunde etwas davon bemerkt. Doch diesmal ist alles anders.

Erstens plant domainFACTORY diesmal einen physischen Umzug, bei dem nicht wie sonst üblich nur die Daten auf neue Server verschoben werden, sondern tatsächlich die Hardware der Server umgezogen werden soll. Man schaltet die Server also ab, zieht die Stecker heraus, lädt sie in einen LKW, transportiert sie nach Straßburg, lädt sie aus, baut sie wieder auf und fährt sie wieder hoch.

Zweitens liegt das neue Rechenzentrum in Straßburg, und somit in Frankreich. Das wiederum bringt zwei Probleme mit sich:

Zum Einen ist der Weg von München nach Straßburg relativ weit, so dass der geplante physische Umzug etliche Stunden dauern und durch den physischen Transport der Server auch das Risiko eines Unfalls und damit eines Datenverlustes mit sich bringen wird.

Zum Anderen stehen die Server anschließend auf französischem Boden, was beträchtliche rechtliche Fragen aufwirft. Siehe hierzu: Warum Frankreich kein geeigneter Serverstandort ist

Auf Fragen zur Sicherheit des neuen Rechenzentrums (das offenbar direkt am Rheinufer liegt) geht man im Forum von domainFACTORY leider genau so wenig (oder zumindest genau so wenig glaubwürdig) ein, wie auf die drängenden Fragen zu den rechtlichen Themen. Gleichzeitig steht der Umzug aber wohl „alternativlos“ fest und ein Sonderkündigungsrecht soll es auch nicht geben.

Ein Hosting-Anbieter, der bisher stets mit Stolz für „Hosting made in Germany“ geworben hat, verprellt nun also mir nichts dir nichts seine teils langjährigen treuen Kunden. In meinem Fall sind es mehr als 12 (zwölf!) Jahre, in denen ich mit domainFACTORY immer zufrieden war und für das exzellente „Hosting made in Germany“ und den herausragenden Support gerne auch etwas mehr bezahlt habe, als die Konkurrenz verlangt hätte.

Ironischer Weise erreichte mich die Nachricht vom Umzug am selben Tag, an dem heise.de diesen Artikel veröffentlichte: „Überwachung: Frankreichs Senat winkt Carte Blanche für Geheimdienst durch“. Der französische Senat hatte soeben beschlossen, dass der frz. Geheimdienst ab sofort Seekabel und Internetknotenpunkte uneingeschränkt anzapfen und abhören darf. Der perfekte Zeitpunkt, um den Server, auf dem die Daten aller meiner Kunden liegen, nach Frankreich zu transportieren, oder?

Ich persönlich finde sowohl den Umzug an sich als auch die Art und Weise, wie domainFACTORY das an die Kunden herangetragen hat, absolut untragbar und bin daher ab sofort auf der Suche nach einem alternativen Anbieter, mit einem Rechenzentrumsstandort in Deutschland. Ein möglicher Kandidat ist bereits gefunden und befindet sich auch schon in der Testphase: die Webseite www.Singletreff-Schweinfurt.de spielt hier das Versuchskaninchen und läuft seit heute (3.11.2015) auf dem neuen Server – in Deutschland versteht sich. Bis zum Umzug im zweiten Quartal 2016 ist noch etwas Zeit, bis dahin wird der neue Anbieter ausführlich getestet, aber auch weitere Alternativen ausprobiert.

Für alle meine Kunden, die ihre Daten in Deutschland behalten wollen, steht dann (hoffentlich) rechtzeitig ein neuer Server bereit. Einen Umzug mit kurzzeitiger Unterbrechung der Dienste wird es auch hierbei leider geben. Aber die geplanten 10 bis 12 Stunden(!) für den Umzug nach Straßburg unterbieten wir dabei locker. Ob ich meinen Kunden die Wahl lasse, mit nach Frankreich zu ziehen, oder ob ich sie alle auf den neuen Server in Deutschland umziehe, das entscheide ich nach ausführlichen Tests der möglichen Alternativen.